Über mich…


STORY OF IDENTITY

Ein knorriger Olivenbaum, der in alle Richtungen wächst – einmal nach oben, dann wieder nach unten, nach links oder rechts, nach vorne oder hinten – beschreibt meinen Lebensweg wohl treffender als jede geradlinige Biografie

Ein Olivenbaum wächst langsam. Er braucht Zeit, um seinen eigenen Charakter zu entwickeln. Er trotzt der Dürre, übersteht Stürme und trägt die Spuren dessen, was ihm widerfahren ist. Manchmal bricht ein Ast. Doch irgendwo treibt wieder etwas aus. Nicht als Rückkehr zum Alten, sondern als neuer Anfang.

Ich bin 1969 in Freistadt geboren und in einem abgelegenen Dorf einer Region aufgewachsen, die damals als arm galt. Viel gab es dort nicht – außer einer vielfältigen, manchmal überwältigenden Natur. Schon früh begann ich, meinen eigenen Weg zu suchen.

Das Gymnasium sollte mir vor allem eine sichere Zukunft ermöglichen. „Mache die Matura, dann wirst du eines Tages viel Geld verdienen“ – dieser Gedanke war prägend. Gleichzeitig legte die Schule den Grundstein für mein humanistisches Denken und für einen zunehmend kritischen Blick auf die Welt. Ich begann zu hinterfragen, was als selbstverständlich galt.

Doch Widerstand war für ein Mädchen nicht unbedingt vorgesehen.

Anpassung, Leistung, berufliche Sicherheit und materieller Wohlstand standen hoch im Kurs. Gleichzeitig entdeckte ich schon als Kind etwas, das sich nicht in diese Logik einfügen wollte: meine Faszination für Farben, Zeichnen und Malen.

Die Malerei wurde zu meinem persönlichen Rückzugsort. Hier konnte ich innehalten, meinen Gedanken nachgehen und über die Welt sinnieren. Ich nahm Aufgaben für den Kunstunterricht freiwillig mit nach Hause, um länger daran arbeiten zu können. In den Ferien widmete ich mich der Hinterglasmalerei, einem Teil des regionalen Kulturguts.

Während ich malte, entstand langsam eine Erkenntnis: Ich wollte diese Welt nicht einfach übernehmen, wie sie mir vorgegeben wurde.

Zu oft erlebte ich, wie materielle Werte über menschliche Werte gestellt wurden. Reichtum brachte Anerkennung, gesellschaftlichen Status und Respekt – selbst dann, wenn dieser Reichtum mit Herablassung oder Arroganz einherging. Auch bei der Vorstellung von Partnerschaft schien finanzielle Sicherheit wichtiger zu sein als Charakter.

Ich begann zu verstehen, dass mein eigenes Wertesystem anders aussah.

Mit der Matura öffnete sich schließlich die Tür hinaus aus dieser engen Welt. Aber auch jetzt musste ich einen Kompromiss eingehen. Kunst zu studieren galt als „brotlos“. Architektur ebenfalls – zumindest dann, wenn die Familie nicht bereits ein Architekturbüro besaß.

Also entschied ich mich 1987 für Verfahrenstechnik und zog nach Graz.

Es war ein Weg, der auf dem Papier vernünftig erschien: ein Studium mit guten beruflichen Aussichten, ein Berufsfeld, in dem Ingenieurinnen und Ingenieure gesucht und gut bezahlt wurden. Doch die ersten praktischen Erfahrungen zeigten mir, wie hart umkämpft und kompromisslos diese Arbeitswelt sein konnte.

Je länger ich mich darin bewegte, desto stärker hatte ich das Gefühl, mich selbst dabei zu verlieren. Persönliche, intellektuelle, spirituelle und moralische Werte schienen den materiellen, wirtschaftlichen und gewinnorientierten Werten untergeordnet werden zu müssen.

Irgendwann war klar: Das bin nicht ich.

Ich wollte keinen Weg gehen, der mir bedeutungsvolle Beziehungen, eine liebevolle Familie, echte Freundschaften oder ein reines Gewissen kosten würde.

Also verließ ich diesen Weg.

Und vielleicht war das kein Abbruch, sondern eine Richtungsänderung.

Ich heiratete, zog meine beiden Kinder mit ganzer Hingabe groß und fand neben meinem Familienleben wieder zurück zur Malerei. Zuerst war es die Pastellmalerei. Später entdeckte ich Acryl für mich. Der Drang, der Malerei Raum zu geben, war all die Jahre nie wirklich verschwunden.

Er hatte nur gewartet.

Mangels formeller Ausbildung war mein künstlerischer Weg zunächst stark vom autodidaktischen Lernen geprägt. Ich probierte aus, beobachtete, verwarf, begann neu. Seit 2008 nutzte ich regelmäßig Kunstkurse und Malreisen, um meine Fähigkeiten weiterzuentwickeln und mich mit erfahrenen Künstlerinnen und Künstlern auszutauschen.

Dabei haben mich unter anderem Eftichia Schlamadinger, Berenike Wasserthal-Zuccari, Edgar Miesbichler, Helga Hudin, Therese Kniepeiß und Wolfgang Baxrainer begleitet und wichtige Impulse gegeben – in Acrylmalerei, Akt- und Portraitzeichnen, schneller Skizze, Aquarell und experimentellen Techniken.

Doch auch hier ging es für mich nie darum, einen vorgegebenen Stil zu übernehmen.

Es ging darum, meinen eigenen zu finden.

Heute liegt mein künstlerischer Schwerpunkt auf der Acrylmalerei, ergänzt durch gelegentliche Arbeiten in Aquarell. Beide Medien eröffnen mir ein breites Spektrum an Ausdrucksmöglichkeiten und bilden die Grundlage meiner heutigen Bildsprache.

Aus meinem persönlichen Weg heraus ist schließlich auch mein eigener Malstil entstanden:

Fließende Linien ziehen sich wie ein feines Netzwerk durch vielschichtige Farbkompositionen. Sie verbinden, überlagern und durchdringen einander. Für mich spiegeln sie die Wechselwirkungen wider, denen jede Form von Existenz ausgesetzt ist.

Nichts steht wirklich für sich allein.

Menschen, Erfahrungen, Erinnerungen, Gedanken und die Umwelt, in der wir leben, beeinflussen einander. Manche Verbindungen sind sichtbar, andere bleiben verborgen. Manche führen geradewegs ans Ziel, andere verzweigen sich, verlieren sich oder beginnen plötzlich von Neuem.

Wie die Äste eines Olivenbaums.

So verstehe ich auch meinen eigenen künstlerischen Weg.

Meine Bilder sind keine Abbildungen eines festgelegten Ziels. Sie sind Spuren eines Weges – geprägt von Beobachtung, Hinterfragen und Nachdenken. Jede Arbeit trägt etwas von dem in sich, was mich fasziniert, bewegt, beeinflusst oder geprägt hat.

Dabei interessiert mich nicht nur das, was sichtbar ist.

Mich interessiert das Dazwischen. Die Verbindung. Die Veränderung. Die Frage, was passiert, wenn man eine vertraute Perspektive verlässt und bereit ist, anders hinzusehen.

Vielleicht ist Kunst für mich deshalb weniger eine Antwort als eine Einladung.

Eine Einladung, den Linien zu folgen, Verbindungen zu entdecken und für einen Moment einen Teil meines Weges mitzugehen.

Meine Malerei möchte Räume öffnen – für innere und äußere Reflexion, für neue Gedanken und für die Möglichkeit, Selbstverständlichkeiten neu zu betrachten.

Denn Identität ist für mich nichts Fertiges.

Sie wächst.
Sie verändert ihre Richtung.
Sie trägt die Spuren ihrer Geschichte.

Und sie findet immer wieder neue Wege, weiterzuwachsen.


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Atelier von Isolde Rentz - Graz - Austria
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