Geld betrifft uns alle.
Wir alle glauben an das Geld – ohne zu hinterfragen, ohne zu zweifeln.
Geld macht etwas mit uns.
Der Mammon – der götzenhaft verehrte Reichtum, und die Manie – die zwanghafte Sucht danach, erheben das Geld zur neuen Religion.
In Analogie zu den zehn Geboten aus dem Alten Testament entstehen in diesem Projekt zehn Bilder. Ihre Titel werden von der ursprünglich theologisch-ethischen in eine auf das Geldwesen ausgerichteten Formulierung umgeschrieben. Was im Ursprung als eine Anleitung für moralisch-sittliches Verhalten verstanden werden sollte, mutiert in ein Abbild eines konsumorientierten und besitzdenkenden Gebarens im Sinne eines funktionierenden Finanzsystems.
1. Gebot: Du sollst an das Geld glauben

Acryl / Mischtechnik auf Leinwand
80 × 100 cm
Veredelung:
Hochglanzvergoldung mit 23,75 Karat Rosenoble-Doppelgold
Der Glaube ans Geld muss absolut sein.
Wir alle glauben an das Geld, das im Grunde genommen lediglich ein Versprechen ist – und an diesem Glauben orientieren sich alle Menschen unabhängig von ihrer kulturellen, ideologischen oder religiösen Zugehörigkeit.
Erst dieser bedingungslose Glaube gibt dem Geld großen Wert, nicht nur materiell sondern auch ideell, und setzt es in das Zentrum unseres Tuns und Strebens.
So folgen wir dieser subtilen Welt der Finanzwirtschaft im Glauben, dass sich mit Geld alle Hoffnungen erfüllen – ein Leben in Gesundheit, Glück und Frieden.
Doch kann man Gesundheit, Glück und Frieden kaufen?
2. Gebot: Du sollst die Erwerbstätigkeit nicht verunehren

Acryl / Mischtechnik auf Leinwand
80 × 100 cm
Veredelung:
Hochglanzvergoldung mit 23,75 Karat Rosenoble-Doppelgold
Geld muss verdient werden.
Wie Scherenschnitt-Figuren zwängen wir uns im Streben, möglichst viel Geld zu erwerben, in das Korsett der Wirtschaft, die wie eine Raupe nur eines will: wachsen.
So wie Raupen einen ganzen Baum kahl fressen können, verbraucht unser Verlangen nach maximalem Ertrag die Ressourcen unseres Planeten. Die beiden Augen, die nur mehr das Geld sehen, sind erblindet angesichts des Abgrundes vor ihnen.
Aber es gibt kein Entrinnen aus diesem System. Wir sind alle ein Teil davon und dürfen und können es nicht durchbrechen. Wer das tut, fällt aus dem System heraus und ist genauso verloren.
3. Gebot: Du sollst den täglichen Geldfluss heiligen

Acryl / Mischtechnik auf Leinwand
80 × 100 cm
Veredelung:
Hochglanzvergoldung mit 23,75 Karat Rosenoble-Doppelgold
Geld muss fließen, damit die Wirtschaft florieren kann.
Durch das ständige, bisweilen sogar zwanghafte Konsumieren soll und muss das Geld im Kreislauf gehalten werden. Dieses Verbrauchen und Vernichten nimmt Ausbeutung billigend in Kauf.
Die Füllhörner als Symbol für Überfülle, Überfluss und grenzenlose Vermehrung wachsen in den Himmel. Das Geld wird zwar von oben wieder ausgeschüttet, aber es fließt mehr nach oben zurück als unten bleiben kann. So gleicht ihre Form aufgehenden Scheren, die eine fast unüberwindbare Engstelle haben.
4. Gebot: Du sollst die Fremdbetreuung ehren

Acryl auf Leinwand
80 × 100 cm
Für die staatliche Fremdbetreuung sowohl der Jungen in der Ausbildung als auch der Alten in der Pension müssen Erwerbstätige einen ausreichend monetären Obolus abliefern. Das Versprechen dieses Geldflusses lautet:
Finanzielle Absicherung und Unabhängigkeit.
Finanzielle Absicherung soll durch Ausbildung zum Beruf und weniger durch Bildung für ein gelungenes freies Leben erwirkt werden.
Die Unabhängigkeit der Erwerbstätigen ist notwendig, um in der anspruchsvoller werdenden Arbeitswelt das Humankapital zu optimieren. Die Zeit für die persönliche Betreuung von Familienmitgliedern soll durch Fremdbetreuung substituiert werden, damit der volle Einsatz aller potenziell zur Verfügung stehenden Arbeitskräfte und die Hintanstellung familiärer Interessen gewährleistet werden kann.
Damit mutiert der ursprünglich solidarische Grundgedanke der Umverteilung zu einem Rechtsanspruch auf Versicherungsbasis mit Vollkaskogarantie. Dabei wird übersehen, dass materielle Absicherung und Unabhängigkeit alleine weder einem jungen noch einem alten Menschen gerecht werden.
5. Gebot: Du sollst die Zeit nicht unnütz totschlagen

Acryl auf Leinwand
80 × 100 cm
Spezialfarbe Schwarz: Black 4.0
Zeit ist … Geld zu verdienen und auszugeben.
Unser Wirtschaftssystem funktioniert wie eine gigantische Maschine, welche die Ausdifferenzierung unserer Bedürfnisse nicht nur ermöglicht, sondern auch mit steigender Geschwindigkeit vorantreibt. Die Märkte entwickeln sich dabei zunehmend dynamisch, was Produzenten wie Konsumenten dazu zwingt, das gegeben Zeitbudget effizient auszunutzen.
Prinzipiell kann zwar der moderne Mensch frei über seine Lebenszeit verfügen, aber die Steigerung der Produktivität am Arbeitsmarkt und die Pflege eines bestimmten Konsumstils stellen ihn vor ein Optimierungsproblem: Einerseits soll es eine Fülle an Möglichkeiten der Bedürfnisbefriedigung geben, andererseits will sich der Konsument bei seiner Kaufentscheidung am relativ größten individuellen Nutzen einer Sache orientieren und er will auch so viel wie möglich davon konsumieren. Das erfordert auf beiden Seiten ein straffes Zeitmanagement.
Das Wechselspiel zwischen dem ansteigenden Erzeugen und Verbrauchen dieser Begehrlichkeiten erschöpft sich schließlich in einem rasenden Zeitkarussell, welches in seiner extremen Ausprägung am Ende in ein schwarzes Loch mündet.