Acryl auf Leinwand

80 × 100 cm
Das Idealbild der Selbstverwirklichung wird von Verheißungen genährt: Unabhängigkeit, Reichtum, Ansehen, Einfluss und Bewunderung. Dafür muss die Beziehung zum eigenen Ich im Mittelpunkt stehen. Somit bauen Menschen ihre individuelle Lebenswelt in isolierten Blasen auf, die ihre Selbstbezogenheit verstärken und sie zugleich in einen ständigen Vergleich mit anderen versetzen.
Auf den ersten Blick wirken die Blasen leicht und schwebend. Doch sie sind keine Schutzräume. Sie sind Sinnbilder einer Gesellschaft, in der sich alles um Selbstinszenierung, Selbstbetrachtung und Selbstbestätigung dreht. Die Vielzahl kleiner Kreise und Partikel, die die Blasen umgeben und durchdringen, vermittelt den Eindruck eines sich ständig ausdehnenden Systems. Obwohl alles offen und dynamisch wirkt, bleiben die Figuren zugleich in ihren jeweiligen Sphären gefangen.
Zwischen den Blasen verlaufen geschwungene Linien, die sich netzartig über die gesamte Bildfläche ziehen. Sie verbinden die einzelnen Szenen miteinander und erzeugen zugleich den Eindruck permanenter Bewegung. Und sie stehen für die Versprechen des Mammons: Anerkennung, Erfolg, Sichtbarkeit und Status. Gleichzeitig zeigen sie uns ständig, was andere besitzen oder darstellen – und erzeugen immer neue Wünsche.
So entstehen neue Blasen.
Neue Sehnsüchte.
Neue Abhängigkeiten.
Die Frage, die dieses Bild stellt, ist einfach:
Ist Selbstverwirklichung die neue Form der Selbstversklavung?
Wie viel unseres Lebens gehört noch uns selbst – und wie viel gehört den wirtschaftlichen Interessen, die unsere Aufmerksamkeit, unsere Wünsche und unsere Beziehungen ökonomisch verwerten?